Seine   Geschichte   ist   eine   der   Schuld   ohne   Vergebung.   Er   ist   der   einzige   Feind,   für   den   es   keine   Liebe   gibt,   der Meistgehasste,   Meistverfolgte   und   Verteufelte:   Judas,   der   Jünger   Jesu,   der   Gottes   Sohn   mit   seinem   Kuss   verrät und   ans   Kreuz   liefert.   Ben   Becker   übernimmt   seine   Rolle.   Er   begibt   sich   in   den   Bannstrahl   eines   zweitausend Jahre    alten    Fluchs    und   verteidigt   Judas    mit    einem   Text   von   Walter   Jens,    nach    dem    nichts    mehr    ist,   wie    es schien. Der     Fall    Judas     muss     neu     aufgerollt    werden.     Eine     Geschichte    wurde     überliefert,     ein     Urteil     gefällt,     ein Sündenbock   gebrandmarkt   für   die   Ewigkeit.   Doch   die   Geschichte   stimmt   so   nicht,   das   Urteil   ist   falsch.   „Was war    denn    zu    verraten“?    Fragt    Judas    in    seiner    Verteidigungsrede,    „    Jesus‘    Aufenthaltsort?    Den    kannten Tausende.   Sein   Großes   Geheimnis,   dass   er   Gottes   Sohn   sei?   Das   hat   er   selbst   gesagt,   vor   allen   Leuten!“   Und   das ist nur der Anfang von vielen Unstimmigkeiten einer Geschichte, die mehr geglaubt als befragt wurde. Ben   Becker   hält   ein   mitreißendes   Plädoyer   für   den   ewig   Verdammten   Judas,   auf   Grundlage   der   Romane   von Walter    Jens    und    Amos    Oz..    Das    Bild    von    Judas,    dem    Verräter,    ist    ein    Vorurteil    mit    den    fatalsten    Folgen: Antisemitismus, Judenverfolgung, Glaubenskriege. Eine Performance, die an unseren Grundfesten rüttelt!
Mit    „Ich,    Judas    –    Einer    unter    Euch    wird    mich    verraten!“    hat    Ben    Becker    offensichtlich    den    Nerv    der    Zeit getroffen     und     die     Menschen     zum     Nachdenken     angeregt.     Seine     leidenschaftliche     und     eindrückliche Performance    über    Verrat    und    Gehorsam,    dem    der    faszinierende    wie    provokative    Text    von    Walter    Jens    „Die Verteidigungsrede   des   Judas   Ischariot“   zu   Grunde   liegt,   sorgt   bundesweit   seit   der   Premiere   im   November   2015 für ausverkaufte Shows und stehende Ovationen: In    2016    kam    Ben    Becker    die    Idee,    „ICH,   JUDAS“    aufzeichnen    zu    lassen,    um    „seinen“   Judas    einem    breiteren Publikum   näher   bringen   zu   können.   Gleich   zwei   renommierte   Film-Produktionsfirmen,   Apollo-Film   und   Rekord Film,   konnte   Ben   Becker   für   sein   Projekt   gewinnen   und   mit   dem   jungen,   deutschtürkischen   Regisseur   Serdar Dogan den idealen Mitstreiter für die Umsetzung seiner Film-Idee finden. Nach   sorgfältiger   Vorbereitungszeit,   wurde   im   März   2017   im   Berliner   Dom   gedreht,   drei   Vorstellungen   mit   acht Kameras   aufgezeichnet   und   in   Nachdrehs   die   Nahaufnahmen   komplettiert.   Aus   über   300   Minuten   Material   hat Ben Becker, gemeinsam mit Regisseur Serdar Dogan, ein bildgewaltiges Filmwerk geschaffen. Der   Starttermin   am   Reformationstag   2017   wurde   ganz   bewusst   ausgewählt.   Ein   Tag,   an   dem   Martin   Luther   vor 500   Jahren   seine   95   Thesen   veröffentlichte   und   der   die   darauf   folgenden   Umwälzungen   die   Kirche   und   unsere Gesellschaft   bis   heute   geprägt   hat.   Am   31.   Oktober   2017   wird   der   Film   „ICH,   JUDAS“   in   über   250   Kinos   in   den deutschsprachigen   Ländern   in   exklusiven   Vorführungen   gezeigt.   Eine   hervorragende   Gelegenheit,   sich   von   der großen   Schauspielkunst   und   Genialität   des   Schauspielers   Ben   Becker   zu   überzeugen   –   und   das   alles   zum   Preis einer einfachen Kinokarte!
John   von   Düffel:   Die   Rolle   des   „bad   boy“   hast   du   in   deinem   Schauspielerleben   immer   wieder   angenommen. Wie groß war für dich der Sprung von deinen bisherigen Rollen zu Judas, dem „bad boy“ der Bibel? Ben   Becker:   Judas   ist   eine   neue   Dimension.   Er   ist   mehr   als   eine   Rolle,   eine   Film-   oder   Theaterfigur:   Judas   ist   eine Kampfzone,    ein    Schlacht-    und    Kraftfeld,    aufgeladen    mit    der    Verachtung    und    Feindseligkeit    der    Jahrtausende, einem mörderischen Hass, wie die Zeit immer wieder zeigt. JvD:   Zu   Beginn   deiner   Verteidigungsrede   steht   Judas   auf   dem   verlorensten   aller   Posten,   die   Zeugnisse   gegen ihn   scheinen   erdrückend   und   er   hat   niemanden   auf   seiner   Seite:   Einer   gegen   alle.   Ist   das   die   schauspielerische Grundsituation, von der du dich herausgefordert fühlst? BB.   Natürlich   treibt   es   mich   als   Schauspieler   an,   einen   starken   Gegner   zu   haben.   Wenn   es   um   Leben   oder   Tod geht,   wenn   etwas   Existenzielles   auf   dem   Spiel   steht,   bin   ich   in   meinem   Element.   Ich   suche   die   Extreme,   denn   nur dadurch entsteht die höchste Intensität, der Tanz auf dem Drahtseil ... JvD: Du versuchst also diese Grenze zu überschreiten? BB:     Ich     suche     die     Grenzüberschreitung,     natürlich,     und     diese     Figur     verlangt     das     auch,     eben     weil     die Auseinandersetzung   mit   Judas   nicht   nur   in   den   Bereich   der   Kunst   oder   der   Theologie   gehört,   sondern   Teil   der Realität   ist.   Judas   hat   Geschichte   geschrieben.   Genauer   gesagt,   ihm   wurde   eine   Geschichte   zugeschrieben.   Ihm wurden   Eigenschaften   angehängt   wie   etwa,   dass   er   geldgierig   ist,   verschlagen,   ein   Dieb   und   Betrüger,   der   die Kasse   manipuliert,   einer,   der   Jesus   um   dreißig   Silberlinge   verrät   und   so   weiter.   Jede   dieser   Zuschreibungen   hat Konsequenzen,    in    jedem    Vorurteil    steckt    ein    Pogrom.    Seine    „Schuld“    ist    keine    theoretische    Frage    oder    innere Gewissensangelegenheit,   sie   hat   die   brutalsten   Auswirkungen   in   der   Welt   bis   hin   zum   Völkermord.   Und   diese Geschichte muss umgeschrieben werden. JvD:   In   dem   revolutionären   Text   von   Walter   Jens   spricht   Judas   davon,   dass   er   eine   Rolle   zu   übernehmen   hatte in    einem    abgekarteten    Spiel    –    die    Rolle    des    Verräters,    des    Bösen.    Hast    du    auch    das    Gefühl,    dass    für    das Publikum immer einer den Teufel spielen muss, und meistens bist du es? BB:   Im   Theater   ist   der   Teufel   eine   dankbare   Figur.   Mephisto   erscheint   erstmal   faszinierender   als   Faust.   Und   er   ist bei    allem    Diabolischen    immer    auch    der    größere    Spaßmacher.    Bei    Judas    ist    das    anders.    Seine    Rolle    ist    nicht selbstgewählt,    er    wurde    von    Gottes    Sohn    dafür    bestimmt.    Ihm    bleibt    kaum    etwas    anderes    übrig    als    damit einverstanden   zu   sein,   obwohl   es   die   undankbarste,   verdammteste   Aufgabe   ist.   Während   Jesus   vor   den   Augen   der Welt    den    Märtyrertod    stirbt,    erhängt    sich    Judas,    ohne    dass    ihm    jemand    dabei    zuschaut,    ihn    bedauert    und betrauert.   Den   Judas   in   dieser   Geschichte   zu   spielen,   heißt   eine   Schuld   anzunehmen,   die   das   menschliche   Maß übersteigt. An ihr muss man zugrunde gehen. JvD:   Das   heißt,   Judas   hat   sich   geopfert?   Er   ist   für   die   Rolle,   die   er   gespielt   hat,   spielen   musste,   schlichtweg „draufgegangen“? BB:   Ja,   sicher.   Von   allen   Jüngern   bringt   Judas   als   vermeintlicher   Gegenspieler   des   Messias   das   größte   Opfer.   Für Jesus   zu   sterben   ist   tausendmal   leichter   als   ihn   zu   töten,   heißt   es   sinngemäß   bei   Walter   Jens.   Doch   Judas   nimmt diese   Rolle   an.   Sein   Verrat   ist   Gehorsam,   ein   „Ja“   zu   dem   Part,   den   er   als   der   Schuldige   und   Sündenbock   in   der Heilsgeschichte   zu   spielen   hat.   Aber   –   und   das   ist   der   dramatischste   Bruch   in   dem   Monolog   –   hätte   er   vielleicht „Nein“   sagen   sollen?   Was   wäre,   wenn   Judas   sich   gewehrt   und   den   Gehorsam   verweigert   hätte?   Hier   hört   seine Verteidigungsrede auf und ein fundamentaler Zweifel fängt an … JvD:   Insofern   hat   nicht   nur   die   Welt   Judas   und   seine   Rolle   falsch   beurteilt,   sondern   Judas   selbst   kommt   zu   der Erkenntnis, dass er einen Fehler gemacht hat? BB:    Wenn    man    überhaupt    von    einem    Fehler    sprechen    kann    und    in    der    Lage    ist,    sich    vorzustellen,    was    das bedeuten   würde.   Um   Heilsgeschichte   zu   schreiben,   hat   Judas   seinen   Part   vollbracht.   Jetzt   schaut   er   sich   diese Heilsgeschichte    an:    eine    Abfolge    von    Glaubenskriegen    und    blutigem    Fanatismus,    Kreuzzügen    und    Inquisition, Judenverfolgung   und   Holocaust.   Und   das   geht   so   weiter   bis   heute.   Es   ist   sogar   aktueller,   weil   schlimmer   denn   je, wenn   man   an   die   fundamentalistischen   Konflikte   der   Gegenwart   denkt.   Da   tut   sich   doch   die   Frage   auf:   Wäre   es nicht    besser    gewesen,    Judas    hätte    gegen    seine    Rolle    rebelliert?    Wäre    sein    „Nein“    zu    dem    Messias    nicht    ein millionenfaches „Ja“ gewesen zum Leben? JvD: In deiner Rolle als Judas steckt also auch eine Anstiftung zur Rebellion? Ein Aufruf zum Ungehorsam? BB   (lächelt). (Das Interview führte John von Düffel)
KONTAKT Apollo Filmproduktions GmbH Geschäftsführer: Gerd Bender Menzelstr. 8 - D-14193 Berlin Tel. +49 (0)30 89729993 E-Mail: Bitte hier klicken http://www.apollo-film.de Presse: Auf Anfrage schicken wir Journalisten gerne aktuelles Text- sowie Bild- und Informationsmaterial zum Film. Bitte kontaktieren Sie unsere Pressesprecherin: die LAUTsprecherin PR- und Presse für Kultur Anne Katrin Hülsmann E-Mail: Bitte hier klicken Alle anderen Anfragen zu Ben Becker Meistersinger Konzerte GmbH Sarah Zimmermann E-Mail: Bitte hier klicken
CREDITS: „Ich, Judas“ – Der Film Kinostart: 31.10.2017 Land: D / Länge: 87 Min. / FSK: 6 Jahre „Ich, Judas“ - Der Film Aufzeichnung aus dem Berliner Dom vom 18.03.2017 Regie & Inszenierung: Ben Becker Auszug aus „JUDAS“ by Amos Oz „Die Verteidigungsrede des Judas Ischariot“ von Walter Jens Begleitet von Domorganist Andreas Sieling Künstlerische Leitung: Marike Moiteaux Dramaturgie: John von Düffel Filmische Umsetzung: Serdar Dogan Photography:   Faceland.com Layout Edition: VISTON gfx, Berlin Produzent: MSK - Meistersinger Konzerte GmbH Filmverleih: Apollo Filmproduktions GmbH Filmvertrieb: Rekord Filmvertrieb Filmische Umsetzung: Sidekick Pictures
Seine   Geschichte   ist   eine   der   Schuld   ohne   Vergebung.   Er   ist   der   einzige   Feind,   für   den   es   keine   Liebe   gibt,   der Meistgehasste,   Meistverfolgte   und   Verteufelte:   Judas,   der   Jünger   Jesu,   der   Gottes   Sohn   mit   seinem   Kuss   verrät und   ans   Kreuz   liefert.   Ben   Becker   übernimmt   seine   Rolle.   Er   begibt   sich   in   den   Bannstrahl   eines   zweitausend Jahre    alten    Fluchs    und   verteidigt   Judas    mit    einem   Text   von   Walter   Jens,    nach    dem    nichts    mehr    ist,   wie    es schien. Der     Fall    Judas     muss     neu     aufgerollt    werden.     Eine     Geschichte    wurde     überliefert,     ein     Urteil     gefällt,     ein Sündenbock   gebrandmarkt   für   die   Ewigkeit.   Doch   die   Geschichte   stimmt   so   nicht,   das   Urteil   ist   falsch.   „Was war    denn    zu    verraten“?    Fragt    Judas    in    seiner    Verteidigungsrede,    „    Jesus‘    Aufenthaltsort?    Den    kannten Tausende.   Sein   Großes   Geheimnis,   dass   er   Gottes   Sohn   sei?   Das   hat   er   selbst   gesagt,   vor   allen   Leuten!“   Und   das ist nur der Anfang von vielen Unstimmigkeiten einer Geschichte, die mehr geglaubt als befragt wurde. Ben   Becker   hält   ein   mitreißendes   Plädoyer   für   den   ewig   Verdammten   Judas,   auf   Grundlage   der   Romane   von Walter    Jens    und    Amos    Oz..    Das    Bild    von    Judas,    dem    Verräter,    ist    ein    Vorurteil    mit    den    fatalsten    Folgen: Antisemitismus, Judenverfolgung, Glaubenskriege. Eine Performance, die an unseren Grundfesten rüttelt!
Mit    „Ich,    Judas    –    Einer    unter    Euch    wird    mich    verraten!“    hat    Ben    Becker    offensichtlich    den    Nerv    der    Zeit getroffen     und     die     Menschen     zum     Nachdenken     angeregt.     Seine     leidenschaftliche     und     eindrückliche Performance    über    Verrat    und    Gehorsam,    dem    der    faszinierende    wie    provokative    Text    von    Walter    Jens    „Die Verteidigungsrede   des   Judas   Ischariot“   zu   Grunde   liegt,   sorgt   bundesweit   seit   der   Premiere   im   November   2015 für ausverkaufte Shows und stehende Ovationen: In    2016    kam    Ben    Becker    die    Idee,    „ICH,   JUDAS“    aufzeichnen    zu    lassen,    um    „seinen“   Judas    einem    breiteren Publikum   näher   bringen   zu   können.   Gleich   zwei   renommierte   Film-Produktionsfirmen,   Apollo-Film   und   Rekord Film,   konnte   Ben   Becker   für   sein   Projekt   gewinnen   und   mit   dem   jungen,   deutschtürkischen   Regisseur   Serdar Dogan den idealen Mitstreiter für die Umsetzung seiner Film-Idee finden. Nach   sorgfältiger   Vorbereitungszeit,   wurde   im   März   2017   im   Berliner   Dom   gedreht,   drei   Vorstellungen   mit   acht Kameras   aufgezeichnet   und   in   Nachdrehs   die   Nahaufnahmen   komplettiert.   Aus   über   300   Minuten   Material   hat Ben Becker, gemeinsam mit Regisseur Serdar Dogan, ein bildgewaltiges Filmwerk geschaffen. Der   Starttermin   am   Reformationstag   2017   wurde   ganz   bewusst   ausgewählt.   Ein   Tag,   an   dem   Martin   Luther   vor 500   Jahren   seine   95   Thesen   veröffentlichte   und   der   die   darauf   folgenden   Umwälzungen   die   Kirche   und   unsere Gesellschaft   bis   heute   geprägt   hat.   Am   31.   Oktober   2017   wird   der   Film   „ICH,   JUDAS“   in   über   250   Kinos   in   den deutschsprachigen   Ländern   in   exklusiven   Vorführungen   gezeigt.   Eine   hervorragende   Gelegenheit,   sich   von   der großen   Schauspielkunst   und   Genialität   des   Schauspielers   Ben   Becker   zu   überzeugen   –   und   das   alles   zum   Preis einer einfachen Kinokarte!
John von Düffel: Die Rolle des „bad boy“ hast du in deinem Schauspielerleben immer wieder angenommen. Wie groß war für dich der Sprung von deinen bisherigen Rollen zu Judas, dem „bad boy“ der Bibel? Ben   Becker:   Judas   ist   eine   neue   Dimension.   Er   ist   mehr   als   eine   Rolle,   eine   Film-   oder   Theaterfigur:   Judas   ist   eine Kampfzone,    ein    Schlacht-    und    Kraftfeld,    aufgeladen    mit    der    Verachtung    und    Feindseligkeit    der    Jahrtausende, einem mörderischen Hass, wie die Zeit immer wieder zeigt. JvD:   Zu   Beginn   deiner   Verteidigungsrede   steht   Judas   auf   dem   verlorensten   aller   Posten,   die   Zeugnisse   gegen ihn   scheinen   erdrückend   und   er   hat   niemanden   auf   seiner   Seite:   Einer   gegen   alle.   Ist   das   die   schauspielerische Grundsituation, von der du dich herausgefordert fühlst? BB.   Natürlich   treibt   es   mich   als   Schauspieler   an,   einen   starken   Gegner   zu   haben.   Wenn   es   um   Leben   oder   Tod geht,   wenn   etwas   Existenzielles   auf   dem   Spiel   steht,   bin   ich   in   meinem   Element.   Ich   suche   die   Extreme,   denn   nur dadurch entsteht die höchste Intensität, der Tanz auf dem Drahtseil ... JvD: Du versuchst also diese Grenze zu überschreiten? BB:     Ich     suche     die     Grenzüberschreitung,     natürlich,     und     diese     Figur     verlangt     das     auch,     eben     weil     die Auseinandersetzung   mit   Judas   nicht   nur   in   den   Bereich   der   Kunst   oder   der   Theologie   gehört,   sondern   Teil   der Realität   ist.   Judas   hat   Geschichte   geschrieben.   Genauer   gesagt,   ihm   wurde   eine   Geschichte   zugeschrieben.   Ihm wurden   Eigenschaften   angehängt   wie   etwa,   dass   er   geldgierig   ist,   verschlagen,   ein   Dieb   und   Betrüger,   der   die Kasse   manipuliert,   einer,   der   Jesus   um   dreißig   Silberlinge   verrät   und   so   weiter.   Jede   dieser   Zuschreibungen   hat Konsequenzen,    in    jedem    Vorurteil    steckt    ein    Pogrom.    Seine    „Schuld“    ist    keine    theoretische    Frage    oder    innere Gewissensangelegenheit,   sie   hat   die   brutalsten   Auswirkungen   in   der   Welt   bis   hin   zum   Völkermord.   Und   diese Geschichte muss umgeschrieben werden. JvD:   In   dem   revolutionären   Text   von   Walter   Jens   spricht   Judas   davon,   dass   er   eine   Rolle   zu   übernehmen   hatte in    einem    abgekarteten    Spiel    –    die    Rolle    des    Verräters,    des    Bösen.    Hast    du    auch    das    Gefühl,    dass    für    das Publikum immer einer den Teufel spielen muss, und meistens bist du es? BB:   Im   Theater   ist   der   Teufel   eine   dankbare   Figur.   Mephisto   erscheint   erstmal   faszinierender   als   Faust.   Und   er   ist bei    allem    Diabolischen    immer    auch    der    größere    Spaßmacher.    Bei    Judas    ist    das    anders.    Seine    Rolle    ist    nicht selbstgewählt,    er    wurde    von    Gottes    Sohn    dafür    bestimmt.    Ihm    bleibt    kaum    etwas    anderes    übrig    als    damit einverstanden   zu   sein,   obwohl   es   die   undankbarste,   verdammteste   Aufgabe   ist.   Während   Jesus   vor   den   Augen   der Welt    den    Märtyrertod    stirbt,    erhängt    sich    Judas,    ohne    dass    ihm    jemand    dabei    zuschaut,    ihn    bedauert    und betrauert.   Den   Judas   in   dieser   Geschichte   zu   spielen,   heißt   eine   Schuld   anzunehmen,   die   das   menschliche   Maß übersteigt. An ihr muss man zugrunde gehen. JvD:   Das   heißt,   Judas   hat   sich   geopfert?   Er   ist   für   die   Rolle,   die   er   gespielt   hat,   spielen   musste,   schlichtweg „draufgegangen“? BB:   Ja,   sicher.   Von   allen   Jüngern   bringt   Judas   als   vermeintlicher   Gegenspieler   des   Messias   das   größte   Opfer.   Für Jesus   zu   sterben   ist   tausendmal   leichter   als   ihn   zu   töten,   heißt   es   sinngemäß   bei   Walter   Jens.   Doch   Judas   nimmt diese   Rolle   an.   Sein   Verrat   ist   Gehorsam,   ein   „Ja“   zu   dem   Part,   den   er   als   der   Schuldige   und   Sündenbock   in   der Heilsgeschichte   zu   spielen   hat.   Aber   –   und   das   ist   der   dramatischste   Bruch   in   dem   Monolog   –   hätte   er   vielleicht „Nein“   sagen   sollen?   Was   wäre,   wenn   Judas   sich   gewehrt   und   den   Gehorsam   verweigert   hätte?   Hier   hört   seine Verteidigungsrede auf und ein fundamentaler Zweifel fängt an … JvD:   Insofern   hat   nicht   nur   die   Welt   Judas   und   seine   Rolle   falsch   beurteilt,   sondern   Judas   selbst   kommt   zu   der Erkenntnis, dass er einen Fehler gemacht hat? BB:    Wenn    man    überhaupt    von    einem    Fehler    sprechen    kann    und    in    der    Lage    ist,    sich    vorzustellen,    was    das bedeuten   würde.   Um   Heilsgeschichte   zu   schreiben,   hat   Judas   seinen   Part   vollbracht.   Jetzt   schaut   er   sich   diese Heilsgeschichte    an:    eine    Abfolge    von    Glaubenskriegen    und    blutigem    Fanatismus,    Kreuzzügen    und    Inquisition, Judenverfolgung   und   Holocaust.   Und   das   geht   so   weiter   bis   heute.   Es   ist   sogar   aktueller,   weil   schlimmer   denn   je, wenn   man   an   die   fundamentalistischen   Konflikte   der   Gegenwart   denkt.   Da   tut   sich   doch   die   Frage   auf:   Wäre   es nicht    besser    gewesen,    Judas    hätte    gegen    seine    Rolle    rebelliert?    Wäre    sein    „Nein“    zu    dem    Messias    nicht    ein millionenfaches „Ja“ gewesen zum Leben? JvD: In deiner Rolle als Judas steckt also auch eine Anstiftung zur Rebellion? Ein Aufruf zum Ungehorsam? BB   (lächelt). (Das Interview führte John von Düffel)
KONTAKT Apollo Filmproduktions GmbH Geschäftsführer: Gerd Bender Menzelstr. 8 - D-14193 Berlin Tel. +49 (0)30 89729993 E-Mail: Bitte hier klicken http://www.apollo-film.de Presse: Auf Anfrage schicken wir Journalisten gerne aktuelles Text- sowie Bild- und Informationsmaterial zum Film. Bitte kontaktieren Sie unsere Pressesprecherin: die LAUTsprecherin PR- und Presse für Kultur Anne Katrin Hülsmann E-Mail: Bitte hier klicken Alle anderen Anfragen zu Ben Becker Meistersinger Konzerte GmbH Sarah Zimmermann E-Mail: Bitte hier klicken
CREDITS: „Ich, Judas“ – Der Film Kinostart: 31.10.2017 Land: D / Länge: 87 Min. / FSK: 6 Jahre „Ich, Judas“ - Der Film Aufzeichnung aus dem Berliner Dom vom 18.03.2017 Regie & Inszenierung: Ben Becker Auszug aus „JUDAS“ by Amos Oz „Die Verteidigungsrede des Judas Ischariot“ von Walter Jens Begleitet von Domorganist Andreas Sieling Künstlerische Leitung: Marike Moiteaux Dramaturgie: John von Düffel Filmische Umsetzung: Serdar Dogan Photography:   Faceland.com Layout Edition: VISTON gfx, Berlin Produzent: MSK - Meistersinger Konzerte GmbH Filmverleih: Apollo Filmproduktions GmbH Filmvertrieb: Rekord Filmvertrieb Filmische Umsetzung: Sidekick Pictures